Workshop: Von Lettern und Lücken

20.01.2010


Ob der Automatenkaffe immer noch gleich schmeckt? Wir haben den Becher meistens schon herausgezogen, bevor der letzte Schluck Wasser das Gemisch noch mehr verdünnte. Na, ich werde es ja sehen. Denn am nächsten Wochenende setze ich mal wieder einen Fuß auf einen Campus und mische mich unter die Reihen des Hörsaals. Ein zweitägiger Workshop an der Berliner FU steht auf dem Plan. Es geht um die Ordnung der Schrift im Bleisatz und nicht nur um die Lettern, sondern auch um die Lücken. Und nicht nur um ihre typographische, sondern auch um die semantische Ebene, zum Beispiel bei Gedankenstrichen oder Auslassungszeichen. Es klingt sehr spannend! Das genaue Vortagsprogramm kann beim Graduiertenkolleg angefordert werden, die Tagung ist öffentlich.
Lieben Dank an Katja aus Dresden, die mich darauf aufmerksam machte.

29.01.2010, 13:30 Uhr - 30.01.2010, 18:00 Uhr    Ort: Graduiertenkolleg "Schriftbildlichkeit", Institut für Philosophie, Habelschwerdter Allee 30, 14195 Berlin-Dahlem


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I'll be back to university next weekend. If you are in the Berlin area, maybe this workshop would be interesting for you. It takes place in the Department of Philosophy of "Freie Universitaet Berlin" and they'll talk about letters and spacing. I am pretty much excited to hear it. I am also excited to set foot on a campus again after years and I'll check out if the instant coffee from the vending machines in the corridor is as tasty as ever ;) 

Kommentare

  1. Schwere Spatialität

    Man könnte die Veranstalter darauf hinweisen, daß es den Wortabstand schon vor dem Bleisatz gab, ebenso wie die Buchseite. Beides gab es auch schon vor dem Blockbuch. Der Bleisatz Gutenbergs imitierte zuerst die Handschrift, in allen Details, auch den geometrischen. Also die These ist schon merkwürdig. Weshalb wohl die Vorträge auf die schrille Eingangsthese keinen Bezug nehmen, das scheint mir beruhigend. Das Plakat sieht ja schlimm aus, das Signet ist grausam, könnte man nicht ein wenig Interesse für Typografie und Lesbarkeit zeigen, wenn man sich mit solchen Theorien befaßt? Wirkt wirr, das Ganze.

    Hier der Originaltext der Veranstalter:

    Schriften organisieren ihre Sichtbarkeit, ihr Schriftbild in einer ihnen je spezifischen Weise; ihre ästhetische Präsenz ist deshalb nie rein dekorativ, sondern bietet einen privilegierten Zugang zu ihrer inneren Organisation.
    Thema unseres Workshops soll die Ordnung der Schrift im Bleisatz sein, welcher über lange Zeit synonym mit Druckschrift war. Seine beweglichen, einheitlichen Bleilettern haben Rezeption wie Reflexion der Schrift
    entscheidend geprägt, indem sie die Unterscheidung von konkretem Zeichenexemplar und abstraktem (Lettern)typus begünstigten und gedruckte Seiten (in Abgrenzung von der Handschrift) als ein geometrisches Raster aus
    Lettern und Lücken, litterae und lacunae, präsentierten.

    Obschon Lettern ganz ohne Lücken kaum lesbar wären, wird unser Blick früh geschult, die Spatien im Leseprozess konsequent auszublenden und als neutralen Hintergrund ohne Bedeutung für die Sinnkonstitution zu sehen. Beim
    Setzen erweist sich nun aber, dass die Zwischenräume keineswegs leer sind, sondern Bleiteile mit Namen wie Blindmaterial oder Fleisch, welche deutlich genug auf ihre Materialität verweisen. Letter und Lücke erscheinen so nicht als Gegensatz, sondern als ineinander verzahnte, sich komplementär ergänzende Körper, wobei die Lücken sowohl analytisch (Wörter und Buchstaben voneinander
    abtrennend) als auch synthetisch (Buchstaben zu Wörtern und Wörter zu Sätzen verbindend) wirken.

    So ergeben sich zwei Schwerpunkte für den Workshop: erstens die Spatialität der Druckschrift überhaupt, die sich fortsetzt in einer kreativen typographischen Gestaltung, welche ihre Aufmerksamkeit gerade auch auf die
    von der Schrift geformte und durchschnittene Fläche richtet. Zweitens werden
    diejenigen Lettern für die Fragestellung interessant, welche diese
    prinzipielle Lückenhaftigkeit auf die semantische Ebene transponieren und
    Lücken in der Textur markieren, etwa Auslassungszeichen und Gedankenstriche.
    Konkrete literarische Drucktexte im Bleisatz sollen so - von ihren
    Leerstellen und Lücken ausgehend - in Wort und Bild vorgestellt, neu gesehen
    und gelesen werden.

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  2. Nun, da die Tagung vom Institut für Philosophie vorbereitet wird, war wohl zufällig kein Typograph unter den Studenten, der Logo und Plakat machen durfte. Drücken Sie ein Auge zu (oder auch zwei) :)
    Ich denke man wir dort nicht über 1/6 oder 1/8 Geviert sprechen. Vielleicht darüber, dass im Bleisatz die Lücken und Zeilenabstände anfassbar sind oder über die drei Punkte am Satzende und was sie bedeuten. Mal schauen, was man darüber alles sagen kann. Dass es vom Institut für Philosophie vorbereitet wird und nicht von Gestaltern finde ich ja gerade sehr interessant. Ungewöhnlich.
    Kommen Sie doch vorbei, schon allein wegen dem Automatenkaffee :)

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  3. Sehr interessant. Da musst du mal Bericht erstatten. Als Computerlinguist verbringe ich recht viel Zeit damit, Struktur und Bedeutung von Text (bzw. Sprache) zu modellieren. Häufig ist dabei das "Wort" die kleinste Einheit. Das ist unnatürlich. Vielleicht sind die Dinge, mit denen ich mich beschäftige ja analog zur Ordnung im Schriftbild zu verstehen.
    Oder ich komme einfach mit...

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